Die Berufe der Familie Nisius
Vom Weinberg zum Kontor, vom Eifel-Hof zur Wisconsin-Farm – und was aus denen wurde, die blieben.
1600 – heuteGemeinsame Wurzeln
1600–1850Wenn unser Name vom Weingott Dionysos abstammt – was könnte passender sein, als dass viele unserer Vorfahren Winzer waren? Der Küfer stellte die Fässer her, in denen der Wein lagerte. So schließt sich ein Kreis.
Missernten, Überbevölkerung und der Kulturkampf trieben manche zum Auswandern. Andere blieben. Von diesem Moment an entwickelten sich zwei parallele Geschichten.
Mit der Reichsgründung begann die Industrialisierung. Die Eisenbahn erreichte das Rheinland. Neue Berufe entstanden, alte verschwanden.
Zwei Weltkriege rissen ganze Generationen aus ihren Berufen. Die Eifel wurde 1944/45 zum Kampfgebiet. Die Überlebenden standen vor dem Nichts.
Aus den Ruinen erwuchs das Wirtschaftswunder. Aufstieg durch Bildung: Die Kinder der Bauern wurden Ingenieure und Kaufleute.
Heute Teil der breiten Mittelschicht. Die Eifel hat sich vom armen Auswanderungsgebiet zum beliebten Naherholungsgebiet gewandelt.
Die Auswanderung war ein Abschied für immer. 6 Wochen bis 3 Monate Überfahrt im Zwischendeck – eng, dunkel, von Seekrankheit geplagt.
Kettenmigration: Erst ging einer, dann holte er seinen Bruder nach. Um 1880 lebten 75% aller US-Nisius in Wisconsin – das ist keine Streuung, das ist eine Kolonie.
Die zweite Generation sprach Englisch und hatte mehr Möglichkeiten. Milwaukee, Chicago, Minneapolis – die Söhne der Farmer zogen in die Städte.
Eigenheim in den Suburbs, zwei Autos, College für die Kinder. Die Nisius wurden Teil der amerikanischen Mittelschicht.
Vollständig integriert. Die deutschen Wurzeln sind für viele nur noch Familienlegende – ein lustiger Nachname, den man bei der Einschulung buchstabieren muss.
170 Jahre nach der Weggabelung finden die Stränge zueinander zurück – durch DNA-Tests, Genealogie-Websites und diese Chronik. Die Frage „Sind wir verwandt?“ hat plötzlich eine Antwort.
„ Sie alle haben gearbeitet, damit Sie hier sein können. Das ist – bei allem Dionysos-Humor – keine kleine Sache.
Quellen
Kirchenbücher der Eifel, US-Volkszählungen (1850–1940), Passagierlisten und genealogische Forschung.
Die unsichtbare Hälfte
Für jeden Mann mit verzeichnetem Beruf gab es eine Frau, deren Lebenswerk in keinem Dokument erscheint.
Dionysius-Verbindung
Der Name leitet sich vom Weingott ab – kein Wunder, dass viele als Winzer oder Küfer arbeiteten.